Diabetes in der Schwangerschaft

Redaktion September 27, 2013 Kommentare deaktiviert für Diabetes in der Schwangerschaft
Diabetes in der Schwangerschaft

Die Erkrankungszahlen von diagnostiziertem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) sind in den letzten Jahren auf 4% gestiegen. Laut der Forschergruppe Diabetes des Helmholtzzentrums München waren 2010 rund 24.000 Frauen davon betroffen. Die Dunkelziffer ist hoch.

Schwangerschaftsdiabetes nicht auf die leichte Schulter zu nehmen

Diabetes in der Schwangerschaft kann für Mutter und Kind weitreichende Folgen haben. So steigt zum einen die Gefahr des Fruchttodes, aufgrund einer Unterentwicklung der Plazenta und somit des Fetus. Zum anderen lässt die vermehrte Kohlenhydrataufnahme und andauernde Überzuckerung, das Kind stärker wachsen. Die Bauchspeicheldrüse des Babys versucht durch vermehrte Insulinausschüttung selbst eine Regulation. Dies führt zur Vergrößerung des Organs. Die Lungenreife kann verzögert sein, was sich nach der Geburt als Atemnotsyndrom äußern kann.

Für die werdende Mutter steigt das Risiko für weiter schwangerschaftsbegleitende Erkrankungen. Sie ist anfälliger für Harnwegsinfekte und braucht aufgrund der Kindsgröße möglicherweise einen Kaiserschnitt, welcher immer Komplikationen mit sich bringen kann. Bei weiteren Schwangerschaften besteht ein fünfzigprozentiges Risiko, eines erneuten Auftretens. Ebenso steigt die Gefahr, in den nächsten 10 Jahren einen Diabetes Typ 2 zu entwickeln. Auch das Baby ist vom Stoffwechsel her vorbelastet, was die Möglichkeit, im Erwachsenenalter am metabolischen Syndrom zu erkranken unterstützt.

Bin ich jetzt “zuckerkrank”?

Nachdem Gestationsdiabetes in der Schwangerschaft erstmals aufgetreten ist, normalisiert sich der Zuckerstoffwechsel in der Regel mit dem Hormonabfall nach der Entbindung wieder. Schwangerschaftsdiabetes klassifiziert sich – neben dem durch Zerstörung der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse bedingten Typ-1-Diabetes, dem durch Insulinresistenz entstandenen Typ-2-Diabetes und dem durch Hormone, Medikamente oder anderen Erkrankungen hervorgerufenen Typ-3-Diabetes – als sogenannter Typ-4-Diabetes.

Hervorgerufen aufgrund vermehrter Ausschüttung bestimmter Schwangerschaftshormone, die als Gegenspieler des Insulins wirken. Die Bauchspeicheldrüse schafft trotz erhöhter Insulinausschüttung den Ausgleich des Zuckerspiegels nicht mehr. Die Folge sind erhöhte Blutzuckerwerte. Da die Erkrankung zunächst beschwerdefrei verläuft, sollte zur zeitigen Diagnose bei jeder werdenden Mutter zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein Zuckerbelastungstest gemacht werden.

Verborgenen Vorzeichen erkennen

Die Betroffenen bemerken die Erkrankung meist nicht selbst. Es ist möglich, dass lediglich ein vermehrtes Durstgefühl auftritt.

Weitere Symptome können

  • vermehrte Harnwegsinfekte oder Entzündung der Nieren, bedingt durch den erhöhten Zuckerspiegel im Urin,
  • eine unerklärliche Gewichtszunahme
  • erhöhter Blutdruck
  • eine veränderte Fruchtwassermenge
  • im Ultraschall sichtbare Wachstumsstörungen des Kindes sein.

Doch auch andere Voraussetzungen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Frauen, die bereits vor Beginn der Schwangerschaft übergewichtig waren, neigen eher dazu, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken. Ebenso spielen erbliche Faktoren, ein gestörter Zuckerstoffwechsel während einer früheren Schwangerschaft und das Alter der Schwangeren (über 30) eine wichtige Rolle. Auch eine übermäßige Gewichtszunahme der werdenden Mutter birgt ein nicht zu unterschätzendes Risiko.

Konsequent sein
Ernährung in der Schwangerschaft

© cirquedesprit / Fotolia

Einmal erkannt reicht zur Behandlung meist schon Bewegung und eine Ernährungsumstellung aus. Vorwiegend Vollkornprodukte, mageres Fleisch, Obst und Gemüse über mehrere kleinere Mahlzeiten verteilt. Auf Zucker und Fruchtsäfte sollte verzichtet werden. Nur in seltenen Fällen wird eine Insulintherapie notwendig. Lassen Sie sich untersuchen und bleibe Sie fit. Ihnen und Ihrem Baby zu liebe.

Foto: ©MS Fotodesign – Fotolia.com